Schwarze Sonne Nemesis

Schwarze Sonne Nemesis ist ein Hörspiel von Andreas Götz, das in SWR2 Tandem zu hören war. Wovon handelt die Prdoduktion? Eine Person namens Gregorius, allem Anschein nach ein Wissenschaftler, erwacht nach über 2.200 Jahren in der Raumkapsel Melancholia 2 aus dem Kälteschlaf. Aus seinen Monologen erfahren wir, dass die Menschheit nicht mehr existiert und er der einzige Überlebende ist. Auch hören wir, dass er sich irgendwo jenseits der Oortschen Wolke befindet, wo noch nie ein Mensch vor ihm gewesen sei. Gregorius ist auf der Suche nach einer schwarzen Sonne, die er als finsteren Sonnenzwilling und schließlich als Nemesis bezeichnet. Kurze Zeit später ergänzt er, dass es sich bei Nemesis um eine Kometenschleuder bzw. um ein Asterodidenkatapult handle, das bereits für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gewesen sei und nun auch die Menschheit auf dem Gewissen habe.

Der Autor Andreas Götz spielt damit auf die äußerst umstrittene Theorie an, dass unsere Sonne einen für uns nicht sichtbaren Begleitstern besitze, der sie in regelmäßigen Abständen umlaufe und dadurch etwa alle 27 Millionen Jahre auf der Erde ein Massensterben auslöse, dem u.a. die Dinosaurier zum Opfer gefallen seien. Dies soll dadurch ausgelöst werden, dass Nemesis, wenn sie auf ihren Bahnen die Oortsche Wolke durchstreift, dort befindliche Kometen in Richtung unseres Sonnensystems und somit in Richtung Erde lenke. Die große Ablehnung dieser Theorie wird im Hörspiel thematisiert, wenn Gregorius in einem seiner Monologe über all diejenigen triumphiert, die nicht haben an die Nemesis glauben wollen. Benannt ist dieser hypothetische Stern nach der griechischen Göttin bzw. Personifikation der (gerechten) Rache und Vergeltung, deren Aufgabe z.B. darin liegt, menschliche Hybris und Vergehen gegen die Götter zu strafen. Im derzeitigen Sprachgebrauch hat sich diese ursprüngliche Bedeutung jedoch etwas verschoben, sodass wir heute bei der Nemesis weniger an eine rächende Göttin denken als vielmehr allgemein an einen Gegenspieler in Form eines Erzfeinds oder einer tödlichen Gefahr.

Somit handelt es sich zunächst also um eine indirekte Antikenrezeption, da sich Andreas Götz offensichtlich nicht direkt von der griechischen Mythologie inspirieren ließ, sondern vielmehr von der oben vorgestellten Theorie, deren Schöpfer – wie in der Astronomie üblich – einen geeignet erscheinenden Namen für den Himmelskörper aus der Mythologie auswählten. Diese Eignung beruht selbstverständlich auf der heute gängigen Verwendung des Begriffs Nemesis, da die antike Bedeutung ja voraussetzen würde, dass die Menschheit es verdiene, vom Zwillingsstern ihrer Sonne mit Kometen beschossen zu werden.

Doch scheint mir die Rezeption der griechischen Göttin im Hörspiel dann doch ein bißchen weiter zu gehen als die bloße Verwendung ihres Namens als Bezeichnung für ein Himmelsgestirn. Denn Gregorius spricht nicht nur über Nemesis, sondern auch mit ihr. So fungiert sie in manchen seiner Monologe als direkte Adressatin, die er in der zweiten Person singular anspricht. Die Personifizierung geht so weit, dass Gregorius zu glauben scheint, dass sich die Nemesis bewusst versteckt halte und er außerdem davon ausgeht, dass sie seine Reise zu ihm aktiv zu behindern versuche, weil sie es nicht mögen würde, wenn sich ihr jemand annähert. Als Gregorius sich schließlich in unmittelbarer Nähe zu Nemesis befindet, vergleicht er die Gravitation des Himmelskörpers damit, von der Nemesis mit Händen geknetet zu werden. Gregorius sagt in diesem Zusammenhang wörtlich: „Wie eine finstere Geliebte mit dem Todeskuss auf den Lippen.“ Zweimal wird die Nemesis von ihm als „Biest“ bezeichnet, an anderer Stelle als „Schwarzes Miststück“, „alte Hexe“ und einmal sogar als „alte Schlampe“, der Gregorius gerne unter den Rock schauen möchte.

Dass Andreas Götz seinen Gregorius die Nemesis nicht als bloßen Himmelskörper, sondern als ein nicht näher definiertes Wesen wahrnehmen lässt, ist von ungemeiner Bedeutung für die besondere Atmosphäre des Hörspiels, da dem Protagonisten somit eine nicht ganz greifbare mystische Antagonistin gegenübersteht. Und mit dieser Personifikation der Nemesis nähern wir uns dann doch wieder der griechischen Göttin an, wenn auch im Gewand des heutigen Verständnisses ihres Namens.

Leider ist das Hörspiel nicht mehr in der Mediathek des Senders abrufbar, doch findet sich hier immerhin noch das Manuskript:

Manuskript

Angaben zum Hörspiel:
Autor: Andreas Götz
Redakteurin: Katrin Zipse
Regie: Iris Drögekamp
Sendung am: 06.06.2016 um 19:20 Uhr in SWR2 Tandem
Informationen, die nicht dem Hörspiel entstammen, habe ich aus dem Neuen Pauly (DNP) und der Wikipedia entnommen.
SchwarzeSonneNemesis
(Bild: Danica Zeuß und Michael Kleu)

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